Kennzahlen
OEE berechnen: Formel, Beispiel und Richtwerte
Die Gesamtanlageneffektivität, kurz OEE, ist die bekannteste Kennzahl der Produktion – und eine der am häufigsten falsch gerechneten. Wie sie sich aus Verfügbarkeit, Leistung und Qualität zusammensetzt, wie Sie sie Schritt für Schritt berechnen und was ein guter Wert ist.
Die OEE – Overall Equipment Effectiveness, auf Deutsch Gesamtanlageneffektivität – beantwortet eine einfache Frage: Welcher Anteil der Zeit, in der eine Maschine hätte produzieren sollen, hat tatsächlich gute Teile hervorgebracht? Der Wert stammt aus dem Total Productive Maintenance (TPM) und ist heute die Standardkennzahl, um Anlagen zu vergleichen und Verluste sichtbar zu machen.
Die OEE-Formel
Die OEE ist das Produkt aus drei Faktoren:
OEE = Verfügbarkeit × Leistung × Qualität
- Verfügbarkeit = Laufzeit ÷ geplante Produktionszeit
- Leistung = (ideale Taktzeit × gefertigte Menge) ÷ Laufzeit
- Qualität = Gutteile ÷ gefertigte Menge
Multipliziert man die drei Faktoren aus, kürzt sich fast alles heraus. Übrig bleibt eine kompakte Form, die sich gut zur Kontrolle eignet:
OEE = (Gutteile × ideale Taktzeit) ÷ geplante Produktionszeit
Ein Beispiel Schritt für Schritt
Eine Maschine läuft eine Schicht von acht Stunden (480 Minuten). Davon sind 30 Minuten Pause, die geplante Produktionszeit beträgt also 450 Minuten. In der Schicht wird 35 Minuten gerüstet, eine Störung kostet weitere 15 Minuten. Die ideale Taktzeit liegt bei 0,5 Minuten je Teil, gefertigt werden 680 Teile, davon sind 20 Ausschuss.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Geplante Produktionszeit | 480 min − 30 min Pause | 450 min |
| Laufzeit | 450 min − 35 min Rüsten − 15 min Störung | 400 min |
| Verfügbarkeit | 400 ÷ 450 | 88,9 % |
| Leistung | (0,5 min × 680) ÷ 400 min | 85,0 % |
| Qualität | 660 ÷ 680 | 97,1 % |
| OEE | 88,9 % × 85,0 % × 97,1 % | 73,3 % |
Die Kontrolle mit der kompakten Formel ergibt dasselbe: 660 Gutteile × 0,5 Minuten = 330 Minuten wertschöpfende Zeit, geteilt durch 450 Minuten geplante Zeit ergibt 73,3 Prozent. Anders gesagt: Von siebeneinhalb geplanten Stunden hat die Maschine rund fünfeinhalb Stunden lang gute Teile gefertigt.
Die sechs großen Verluste
Hinter jedem Faktor stehen typische Verlustarten, die im TPM als die „sechs großen Verluste“ bekannt sind:
| Faktor | Verlust | Beispiel |
|---|---|---|
| Verfügbarkeit | Anlagenausfälle | Störung, fehlendes Material, Werkzeugbruch |
| Verfügbarkeit | Rüsten und Einrichten | Umbau auf den nächsten Auftrag |
| Leistung | Leerlauf und Kurzstillstände | kurze Unterbrechungen, die niemand erfasst |
| Leistung | Verringerte Geschwindigkeit | Maschine läuft langsamer als möglich |
| Qualität | Anlaufverluste | Ausschuss beim Anfahren nach dem Rüsten |
| Qualität | Ausschuss und Nacharbeit | fehlerhafte Teile im laufenden Betrieb |
Der Nutzen der OEE liegt weniger in der Zahl selbst als in dieser Aufteilung: Sie zeigt, wo sich Arbeit lohnt. Liegt die Verfügbarkeit niedrig, weil viel gerüstet wird, hilft eine Reihenfolge, die ähnliche Aufträge zusammenlegt, mehr als jede schnellere Maschine.
Was ist ein guter OEE-Wert?
Als Weltklasse gelten oft 85 Prozent – zusammengesetzt aus etwa 90 Prozent Verfügbarkeit, 95 Prozent Leistung und 99,9 Prozent Qualität. Dieser Richtwert stammt aus der Serienfertigung mit langen Losen.
In Betrieben mit vielen Varianten, kleinen Losen und häufigem Rüsten liegen realistische Werte deutlich darunter, häufig zwischen 40 und 60 Prozent. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern der Ausgangspunkt: Entscheidend ist, dass die OEE ehrlich gemessen wird und sich über die Monate verbessert. Vergleiche lohnen sich vor allem zwischen ähnlichen Maschinen im eigenen Haus.
Typische Fehler beim Rechnen
- Rüstzeiten herausrechnen. Wer Rüsten als „geplanten Stillstand“ aus der Produktionszeit nimmt, schönt die Verfügbarkeit – und verliert den größten Hebel aus dem Blick.
- Die ideale Taktzeit zu niedrig ansetzen. Liegt die Leistung über 100 Prozent, stimmt die Taktzeit nicht.
- Nacharbeit als Gutteil zählen. Qualität meint Teile, die beim ersten Mal gut sind.
- Kurzstillstände übersehen. Viele kleine Unterbrechungen fallen in keiner Handliste auf, kosten aber oft mehr als die eine große Störung.
- Werte am Schichtende schätzen. Nachträglich notierte Zahlen sind selten genau – die Kennzahl ist nur so gut wie ihre Daten.
- Über Maschinen mitteln. Wer die OEE mehrerer Anlagen einfach mittelt, übersieht Engpässe. Aussagekräftig ist sie je Maschine.
OEE in der Praxis messen
Für eine belastbare OEE braucht es Zeiten und Mengen aus der Fertigung. Drei Wege sind üblich:
- Handliste an der Maschine – schnell eingeführt, aber ungenau und aufwendig auszuwerten.
- Betriebsdatenerfassung (BDE) – Mitarbeiter melden am Terminal Start, Stopp, Menge und Ausschuss. Die Daten sind am Auftrag und sofort auswertbar.
- Maschinendatenerfassung (MDE) – die Maschine meldet Laufzeiten und Stückzahlen selbst. Am genauesten, aber mit Aufwand für die Anbindung.
Viele Betriebe starten mit der BDE und binden später einzelne Maschinen direkt an.
OEE mit POM
- OEE je Maschine: POM MES berechnet die OEE aus den Rückmeldungen und weist Verfügbarkeit, Leistung und Qualität einzeln aus – jeder Faktor lässt sich nachrechnen.
- Weniger Rüstverlust: Der Leitstand sortiert Aufträge rüstoptimiert je Maschine; der Maschinenclient zeigt an der Anlage die eigene Auftragsreihe.
- Daten aus der Halle: Mit POM BDE melden Mitarbeiter am Terminal Start, Stopp und Menge – die Buchung landet am Arbeitsgang.
- Heute für die Kabelkonfektion: POM MES ist in der Kabelkonfektion entstanden. Die automatische Anbindung von Maschinendaten über Schnittstellen wie OPC UA oder MQTT ist in Planung und nicht Teil des heutigen Lieferumfangs.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Wie berechnet man die OEE?
OEE = Verfügbarkeit × Leistung × Qualität. Die Verfügbarkeit ist die tatsächliche Laufzeit geteilt durch die geplante Produktionszeit, die Leistung die tatsächliche Stückzahl geteilt durch die in der Laufzeit mögliche, die Qualität die Gutteile geteilt durch alle gefertigten Teile.
Was ist ein guter OEE-Wert?
Oft genannt werden 85 Prozent als Weltklasse-Richtwert für die Serienfertigung. Viele Betriebe mit wechselnden Aufträgen liegen deutlich darunter, häufig zwischen 40 und 60 Prozent. Wichtiger als der absolute Wert ist, ihn ehrlich zu messen und über die Zeit zu verbessern.
Was ist der Unterschied zwischen OEE und TEEP?
Die OEE bezieht sich auf die geplante Produktionszeit. Die TEEP (Total Effective Equipment Performance) setzt dieselbe Leistung ins Verhältnis zur gesamten Kalenderzeit, also 24 Stunden an 365 Tagen, und zeigt damit auch ungenutzte Schichten.
Welche Daten brauche ich für die OEE?
Die geplante Produktionszeit, die Stillstandszeiten, die ideale Taktzeit, die gefertigte Menge und die Zahl der Gutteile. Diese Daten kommen aus der Betriebs- oder Maschinendatenerfassung – von Hand notierte Werte verfälschen die Kennzahl schnell.
Kann POM die OEE berechnen?
Ja. POM MES berechnet die OEE je Maschine aus den Rückmeldungen und weist Verfügbarkeit, Leistung und Qualität einzeln aus. POM MES ist heute für die Kabelkonfektion ausgelegt; die automatische Anbindung von Maschinendaten über Schnittstellen wie OPC UA ist in Planung.
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