Kalkulation
Maschinenstundensatz berechnen: Formel, Beispiel und typische Fehler
Der Maschinenstundensatz entscheidet mit darüber, ob ein Angebot seine Kosten deckt. Welche Kosten hineingehören, wie Sie die Laufzeit realistisch ansetzen, wie die Formel lautet und wie der Satz in Vor- und Nachkalkulation wirkt – mit einem vollständig durchgerechneten Beispiel.
Was kostet eine Stunde an der Maschine? Die Antwort steckt in fast jedem Angebot eines Fertigungsbetriebs, denn geplante Maschinenzeit mal Maschinenstundensatz ergibt die Maschinenkosten eines Auftrags. Ist der Satz zu niedrig, bleiben am Jahresende Kosten ungedeckt, die in keinem Preis enthalten waren. Ist er zu hoch, gehen Aufträge verloren, die sich gelohnt hätten.
Wofür Sie den Maschinenstundensatz brauchen
Der Maschinenstundensatz gibt an, welche Kosten eine Maschine je Stunde Laufzeit verursacht. Die Maschinenstundensatzrechnung verfeinert die Zuschlagskalkulation: Statt die Fertigungsgemeinkosten pauschal als Prozentsatz auf den Fertigungslohn zu schlagen, verrechnet sie die Kosten einer Maschine über deren Nutzung. Bei teuren Anlagen ist das deutlich genauer, denn ihre Kosten haben mit dem Lohn wenig zu tun.
Gebraucht wird der Satz vor allem an drei Stellen:
- Vorkalkulation und Angebot: Geplante Maschinenzeit × Satz ergibt die Maschinenkosten eines Auftrags.
- Nachkalkulation: Gebuchte Ist-Zeit × Satz zeigt, ob die Kalkulation aufgegangen ist.
- Entscheidungen: Welche Maschine ist für einen Auftrag günstiger, lohnt sich die Fremdvergabe? Hier zählt die Trennung in fixe und variable Kosten, denn kurzfristig ändern sich meist nur die variablen.
Welche Kosten hineingehören
In den Satz gehören die Kosten, die die Maschine selbst verursacht – die maschinenabhängigen Fertigungsgemeinkosten:
| Kostenart | So wird gerechnet | Verhalten |
|---|---|---|
| Kalkulatorische Abschreibung | Wiederbeschaffungswert ÷ Nutzungsdauer | fix |
| Kalkulatorische Zinsen | halber Anschaffungswert × Zinssatz | fix |
| Raumkosten | Fläche samt Bedien- und Wartungsfläche × Kosten je m² | fix |
| Versicherung | anteilige Prämie | fix |
| Instandhaltung | Wartung, Reparaturen, Ersatzteile – am besten aus den Vorjahren | überwiegend fix |
| Energie | Anschlussleistung × mittlere Auslastung × Strompreis | variabel |
| Werkzeuge und Betriebsstoffe | Verschleißwerkzeuge, Kühlschmierstoff, Öl | variabel |
Warum der Wiederbeschaffungswert? Die kalkulatorische Abschreibung soll über die Nutzungsdauer so viel hereinholen, dass eine gleichwertige neue Maschine bezahlt werden kann. Maßgeblich sind deshalb deren heutiger Preis und die Nutzungsdauer, die Sie tatsächlich erwarten – nicht die Werte aus der Bilanz.
Warum der halbe Anschaffungswert? Bei gleichmäßiger Abschreibung ist im Mittel die Hälfte des Kapitals gebunden. Manche Betriebe nehmen den halben Wiederbeschaffungswert; wichtig ist, einheitlich zu rechnen.
Sonderwerkzeuge, die nur ein Auftrag braucht, gehören nicht in den Satz, sondern direkt auf den Auftrag. Und die Einteilung in fix und variabel ist keine Formsache: Fixe Kosten fallen an, ob die Maschine läuft oder steht. Genau deshalb hat die Laufzeit so viel Gewicht.
Die Maschinenlaufzeit – der größte Hebel
Die Kosten stehen im Zähler, die Laufzeit im Nenner. Ausgangspunkt ist die theoretisch mögliche Maschinenzeit, meist Arbeitstage × Schichten × Stunden je Schicht. Davon ziehen Sie ab, was die Maschine erfahrungsgemäß nicht produziert:
- Wartung und Instandhaltung: geplante Wartung, Inspektionen, Reparaturen.
- Stillstand: Störungen, fehlendes Material oder Personal, Zeiten ohne Aufträge.
- Rüsten, je nach Methode: Bewerten Sie in der Kalkulation auch die Rüstzeit mit dem Satz, bleibt sie in der Laufzeit. Bewerten Sie nur die Bearbeitungszeit, ziehen Sie sie ab – dann steckt das Rüsten im Satz und verteilt sich auf alle Aufträge, auch auf große Lose. Nenner und spätere Anwendung müssen zusammenpassen.
Die Abzüge für Stillstand und Instandhaltung beschreibt schon die VDI-Richtlinie 3258 Blatt 1 von 1962. Sie ist inzwischen zurückgezogen, wird in der Fachliteratur aber weiter zitiert.
Der größte Hebel ist die Laufzeit, weil ein großer Teil der Kosten fix ist und durch sie geteilt wird. Die Energie je Laufstunde bleibt gleich, ob die Maschine 2.000 oder 3.000 Stunden läuft – die Abschreibung je Laufstunde nicht. Einen Abgleich für Ihre Annahme liefern gebuchte Ist-Zeiten oder die Verfügbarkeit aus der OEE.
Die Formel
Maschinenstundensatz = maschinenabhängige Kosten pro Jahr ÷ Maschinenlaufzeit pro Jahr
Getrennt nach fixen und variablen Kosten:
Maschinenstundensatz = fixe Kosten pro Jahr ÷ Laufzeit + variable Kosten je Laufstunde
Nur der erste Summand hängt von der Laufzeit ab.
Ein Beispiel Schritt für Schritt
Eine CNC-Fräsmaschine hat 240.000 Euro gekostet, eine vergleichbare neue kostet heute 270.000 Euro. Angenommen sind zehn Jahre Nutzungsdauer, 6 Prozent kalkulatorischer Zins, 30 m² Fläche zu 10 Euro je m² und Monat sowie 40 kW Anschlussleistung, die im Mittel zur Hälfte genutzt wird, bei 0,20 Euro je kWh. Die Zahlen sind ein Rechenbeispiel, keine Richtwerte.
Schritt 1: die Laufzeit. Gearbeitet wird in zwei Schichten. Die Rüstzeit wird mit dem Satz kalkuliert und bleibt deshalb in der Laufzeit.
| Position | Rechnung | Stunden pro Jahr |
|---|---|---|
| Theoretische Maschinenzeit | 225 Arbeitstage × 2 Schichten × 8 h | 3.600 h |
| − Wartung und Instandhaltung | geplant und aus Erfahrung | 150 h |
| − Störungen und Reparaturen | Erfahrungswert | 200 h |
| − sonstiger Stillstand | Material, Personal, keine Aufträge | 250 h |
| Geplante Laufzeit | 3.600 − 150 − 200 − 250 | 3.000 h |
Schritt 2: die Kosten.
| Kostenart | Rechnung | Verhalten | Euro pro Jahr |
|---|---|---|---|
| Kalkulatorische Abschreibung | 270.000 € ÷ 10 Jahre | fix | 27.000 € |
| Kalkulatorische Zinsen | 240.000 € ÷ 2 × 6 % | fix | 7.200 € |
| Raumkosten | 30 m² × 10 € × 12 Monate | fix | 3.600 € |
| Instandhaltung | Durchschnitt der Vorjahre | fix | 6.000 € |
| Versicherung | anteilige Prämie | fix | 1.200 € |
| Summe fixe Kosten | 45.000 € | ||
| Energie | 40 kW × 50 % × 0,20 € je kWh = 4,00 € je h, × 3.000 h | variabel | 12.000 € |
| Werkzeuge und Betriebsstoffe | 3,00 € je h × 3.000 h | variabel | 9.000 € |
| Maschinenkosten gesamt | 66.000 € |
Schritt 3: der Satz. 66.000 Euro ÷ 3.000 Stunden = 22,00 Euro je Stunde. Getrennt gerechnet: 45.000 Euro ÷ 3.000 Stunden = 15,00 Euro fix plus 7,00 Euro variabel.
Schritt 4: eine andere Laufzeit.
| Angenommene Laufzeit | Fix je Stunde | Variabel je Stunde | Maschinenstundensatz |
|---|---|---|---|
| 3.600 h, theoretisch | 12,50 € | 7,00 € | 19,50 € |
| 3.000 h, geplant | 15,00 € | 7,00 € | 22,00 € |
| 2.400 h, 20 % weniger | 18,75 € | 7,00 € | 25,75 € |
Wer mit der theoretischen Zeit rechnet, kalkuliert 19,50 statt 22,00 Euro. Läuft die Maschine tatsächlich 3.000 Stunden, fehlen 3.000 × 2,50 Euro = 7.500 Euro im Jahr. Läuft sie nur 2.400 statt 3.000 Stunden, verrechnet der Satz 2.400 × 15,00 Euro = 36.000 Euro der 45.000 Euro Fixkosten; 9.000 Euro bleiben ungedeckt. Rechnet man den Satz mit 2.400 Stunden neu, steigt er um rund 17 Prozent.
Abgrenzung zu Platzkostensatz und Fertigungslohn
Der Maschinenstundensatz enthält nur die Kosten der Maschine. Der Lohn des Bedieners wird meist getrennt als Fertigungslohn kalkuliert, denn eine Person bedient oft mehrere Maschinen, oder eine Maschine läuft zeitweise ohne Bediener. Fertigungsgemeinkosten, die nicht an der Maschine hängen – etwa Meister oder Hilfslöhne –, kommen als Rest-Fertigungsgemeinkosten per Zuschlag auf den Fertigungslohn.
Der Platzkostensatz fasst dagegen die Kosten eines ganzen Arbeitsplatzes je Stunde zusammen, häufig einschließlich der Personalkosten – im einfachsten Fall Maschinenstundensatz plus Lohnstundensatz. Die Platzkostenrechnung eignet sich auch für Arbeitsplätze ohne Maschine, etwa in der Montage. Wichtig ist nur: Steckt der Lohn im Satz, darf er nicht noch einmal als Fertigungslohn auftauchen.
Der Satz in Vor- und Nachkalkulation
In der Vorkalkulation bewerten Sie die geplanten Zeiten aus dem Arbeitsplan mit dem Satz. Ein Los von 200 Teilen braucht an der Beispielmaschine 60 Minuten Rüstzeit und 3 Minuten je Stück:
| Position | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Geplante Maschinenzeit | 60 min + 200 × 3 min | 660 min = 11 h |
| Maschinenkosten | 11 h × 22,00 € | 242,00 € |
| Maschinenkosten je Stück | 242,00 € ÷ 200 | 1,21 € |
Dazu kommen Material aus der Stückliste, Fertigungslohn, Gemeinkostenzuschläge und Gewinn. Bei nur 50 Teilen sind es 210 Minuten, also 77,00 Euro oder 1,54 Euro je Stück: Bei kleinen Losen zählt jede Rüstminute – wie Sie Rüstzeiten verkürzen, zeigt der Ratgeber Rüstzeiten reduzieren.
In der Nachkalkulation setzen Sie die gebuchten Ist-Zeiten ein. Hat das Los 13 statt 11 Stunden gebraucht, lagen die Maschinenkosten bei 286,00 Euro, 18 Prozent über Plan. Woher die zwei Stunden kommen – Rüsten, Störungen, eine zu knappe Vorgabezeit –, zeigen Ist-Zeiten je Auftrag und Arbeitsgang aus der Betriebsdatenerfassung.
Ändert sich der Satz, sollten gebuchte Stunden ihren alten Wert behalten, sonst verschieben sich abgeschlossene Nachkalkulationen. Ob der Satz selbst stimmt, zeigt der Jahresvergleich: gebuchte Stunden × Satz gegenüber den tatsächlichen Maschinenkosten. Bleibt dauerhaft eine Lücke, gehören Kosten oder Laufzeit auf den Prüfstand.
Typische Fehler
- Zu optimistische Laufzeit. Die theoretische Zeit oder eine Auslastung aus guten Monaten drückt den Satz; im Beispiel fehlen so 7.500 Euro im Jahr. Gleichen Sie die Annahme mit Ist-Zeiten ab.
- Veraltete Werte. Wiederbeschaffungswert, Energiepreis, Raumkosten und Schichtmodell ändern sich. Prüfen Sie den Satz mindestens einmal im Jahr.
- Leerkosten in den Satz rechnen. Läuft eine Maschine vorübergehend weniger, liegt es nahe, den Satz mit der geringeren Laufzeit neu zu rechnen. Dann tragen die übrigen Aufträge die Stillstände, Angebote werden teurer, und die Auslastung sinkt womöglich weiter. Besser: mit einer realistischen Normalauslastung rechnen und die Kosten ungenutzter Zeit, die Leerkosten, getrennt ausweisen.
- Bilanzwerte statt kalkulatorischer Werte. Die Bilanz rechnet mit historischen Anschaffungskosten, die Kalkulation mit dem Wiederbeschaffungswert.
- Doppelt verrechnen. Rüstzeit aus der Laufzeit genommen und trotzdem mit dem Satz kalkuliert, oder Bedienerlohn im Satz und zusätzlich als Fertigungslohn – beides macht Angebote zu teuer.
Maschinenstundensatz mit POM
- Kostensätze je Maschine: POM Kalkulation führt Kostensätze für Mitarbeiter, Maschine und Zelle. Fehlt ein Satz, meldet POM einen Fehler, statt mit null zu rechnen.
- Kalkulation nach Ihrem Schema: Schemata mit Positionen, Variablen und Formeln – Zuschlag, Maschinenstundensatz, Deckungsbeitrag – gestalten Sie frei oder beginnen mit einer Werksvorlage. Jede Zahl zeigt ihre Herleitung.
- Maschinen- und Personenzeit getrennt: Arbeitsgänge führen Maschinen- und Personenzeiten getrennt, die Rüstzeit verteilt sich über die Losgröße. Szenarien und Rückwärtskalkulation zeigen, ab welcher Stückzahl ein Zielpreis erreicht wird.
- Nachkalkulation mit gebuchten Zeiten: Sie vergleicht Plan und Ist, mit Fallzahl; die Ist-Zeiten kommen aus POM BDE. Ab fünf Rückmeldungen schlägt POM eine neue Sollzeit vor, den Median der Ist-Zeiten – übernommen wird sie erst nach Bestätigung.
- Maschinen im Stamm: POM Maschinen & Instandhaltung führt alle Betriebsmittel in einem Stamm, von der Maschine bis zum Prüfmittel, mit Wartungs- und Kalibrierhistorie und Kostenauskunft.
Kurz beantwortet
Häufige Fragen
Wie berechnet man den Maschinenstundensatz?
Maschinenstundensatz = maschinenabhängige Kosten pro Jahr ÷ Maschinenlaufzeit in Stunden pro Jahr. Zu den Kosten zählen vor allem kalkulatorische Abschreibung und kalkulatorische Zinsen sowie Raum-, Energie- und Instandhaltungskosten. Als Laufzeit gilt die realistisch erwartete Nutzungszeit der Maschine, nicht die theoretisch mögliche.
Gehört der Lohn des Bedieners in den Maschinenstundensatz?
In der Regel nicht. Der Lohn wird meist getrennt als Fertigungslohn kalkuliert, weil eine Person mehrere Maschinen bedienen kann oder eine Maschine zeitweise ohne Bediener läuft. Wer Maschinen- und Personalkosten eines Arbeitsplatzes zu einem Satz zusammenfasst, rechnet mit einem Platzkostensatz. Wichtig ist nur, den Lohn nicht doppelt zu rechnen.
Warum ist die angenommene Laufzeit so wichtig?
Ein großer Teil der Maschinenkosten ist fix: Abschreibung, Zinsen, Raum und Versicherung fallen an, ob die Maschine läuft oder steht. Diese Kosten werden durch die Laufzeit geteilt. Ist die Laufzeit zu hoch angesetzt, fällt der Satz zu niedrig aus, und jedes Angebot enthält weniger Kosten, als tatsächlich entstehen.
Wie oft sollte man den Maschinenstundensatz neu berechnen?
Sinnvoll ist eine Überprüfung einmal im Jahr, etwa zusammen mit der Kostenplanung, und zusätzlich immer dann, wenn sich Wesentliches ändert: Energiepreise, Schichtmodell, Auslastung oder Wiederbeschaffungswert. Veraltete Sätze fallen im Alltag kaum auf, verfälschen aber jede Kalkulation.
Wie arbeitet POM mit Maschinenstundensätzen?
POM Kalkulation führt Kostensätze für Mitarbeiter, Maschine und Zelle und rechnet nach Ihrem Kalkulationsschema mit freien Formeln, etwa für Zuschläge, Maschinenstundensatz und Deckungsbeitrag. Maschinen- und Personenzeiten stehen im Arbeitsgang getrennt. Die Nachkalkulation vergleicht den Plan mit den Ist-Zeiten aus POM BDE. Die Maschinen selbst führt POM Maschinen & Instandhaltung.
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